Pressegespräch Konjunktur Herbst 2020
Foto: Becker/IHK
IHK-Präsident Andreas Rother hat die Ergebniss der Konjunkturbefragung gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Region vorgestellt. Das Foto zeigt: Dr. Ilona Lange (IHK-Hauptgeschäftsführerin), Heinz-Jürgen Dröge (Dröge & Leifert GmbH & Co. KG, Handel, Werl), Ralf Schwertheim (Schwertheim Touristik GmbH, Verkehr, Lippetal), Martin Feldhaus (Feldhaus Bauunternehmung GmbH & Co. KG, Bau, Schmallenberg), Monika Menge (Hotel & Restaurant Menge, Gastgewerbe, Arnsberg), Gabriele Staats (Graphische Betriebe Staats GmbH, Industrie- und Dienstleistung,Lippstadt), Egbert Neuhaus (M. Westermann & Co. GmbH, Industrie, Arnsberg), Stefan Severin (IHK-Geschäftsbereichsleiter) und Andreas Rother (IHK-Präsident, ahd GmbH & Co. KG, Dienstleistung, Ense).

„Die Wirtschaft am Hellweg und im Sauerland hat den Pandemie-bedingten Tiefpunkt sichtbar überwunden“, so IHK-Präsident Andreas Rother bei der Vorstellung der Ergebnisse der IHK-Herbstumfrage am Mittwoch (30.09.2020) in Arnsberg. Sowohl die Lage, als auch die Erwartungen haben einen Sprung nach oben gemacht. Vor allem die Industrie blickt wieder sehr zuversichtlich nach vorn. Insgesamt beteiligten sich 520 Unternehmen an der Befragung.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator – er berücksichtigt Lage- und die Erwartungsurteile – liegt mit 102,7 Punkten wieder knapp über der Wachstumslinie von 100. „Nach dem Tiefpunkt im Frühjahr von 69,1 Punkten haben wir nun ein ‚V‘ in der Entwicklung. Das ist positiver als viele erwartet haben“, sagt Andreas Rother. „Was wir sehen, ist allerdings ein zartes Pflänzchen. Ein erneuter Lockdown würde uns weit zurückwerfen“, so der IHK-Präsident und fordert von der Politik ein sensibles Vorgehen auch bei steigenden Infektionszahlen.

Die IHK-Befragung zeigt kein einheitliches Bild, sowohl im Vergleich der Branchen als auch der Unternehmen untereinander. Das Gros der Betriebe (52 Prozent) bewertet die Lage als „befriedigend“, 26 Prozent sogar als „gut“. Für das beste Lagebild sorgt weiterhin das Baugewerbe. Die Branche profitiert vor allem von Aufträgen aus der Vergangenheit. Ebenfalls zufrieden mit der Lage sind Einzelhandel und die Dienstleistungssparten. Das schlechteste Urteil gibt derzeit die Verkehrswirtschaft ab. Das Gastgewerbe hat seit dem Lockdown-geprägten Frühjahr zwar deutlich zulegen können, doch sprechen dort noch immer 28 Prozent der Betriebe von einer schlechten und nur 19 Prozent von einer guten Lage. In der Industrie beurteilt jedes zweite Unternehmen die Lage mit befriedigend. Im Frühjahr waren es nur 31 Prozent. 46 Prozent urteilten damals mit „schlecht“. Dieser Anteil hat sich auf 27,1 Prozent verringert. „Eine Ursache für die positive Entwicklung sind die besseren Perspektiven im Außenhandel. Dort sieht die Branche wieder deutlich mehr Chancen als im Frühjahr“, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange.

Insgesamt ist die Wirtschaft so optimistisch wie zuletzt im Frühjahr 2018: 27 Prozent erwarten bessere, 22 Prozent schlechtere Geschäfte. Allerdings gibt es eine große Spreizung unter den Branchen. Zum Optimismus trägt in großem Umfang die Industrie bei. 40 Prozent der Unternehmen dort erwarten eine weitere Erholung der Konjunktur. In den Dienstleistungsbranchen halten sich positive und negative Erwartungen die Waage. In den übrigen Branchen, dies sind Großhandel, Gastgewerbe, Verkehrswirtschaft, Einzelhandel und Bauwirtschaft, ist der Ausblick zwar deutlich besser als vor vier Monaten, aber per Saldo noch immer pessimistisch. „Insgesamt erwartet die Wirtschaft, dass sich die Erholung weiter fortsetzt“, so IHK-Chef-Volkswirt Stefan Severin, „doch der Blick auf einzelne Branchen und zurückhaltende Planungen bei Investitionen und Beschäftigung zeigen, dass die Situation weiterhin als volatil eingeschätzt wird.“


Ein Fünftel der Betriebe plant in den kommenden Monaten mehr und rund ein Drittel weniger zu investieren als in der Vergangenheit. Hauptmotiv für Investitionen bleiben Ersatzbedarf und Rationalisierungen. Ebenfalls zurückhaltend sind die Beschäftigungsabsichten. 24 Prozent der Betriebe planen, den Personalstamm zu verringern. Diesen gegenüber planen 11 Prozent mehr Einstellungen.
Dr. Ilona Lange, IHK-Hauptgeschäftsführerin, betont: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass knapp zwei Drittel der Unternehmen ihre Mitarbeiter halten wollen. Sie wissen, dass nach Corona Fachkräfte wieder knapp werden.“

Gefragt nach den Risiken für die Konjunkturentwicklung antworten 70 Prozent mit einem Rückgang der Inlandsnachfrage. Es folgen wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen mit 44 Prozent und Arbeitskosten mit 31 Prozent. Die Sorgen um ein ausreichendes Angebot an Fachkräften rücken wieder etwas stärker in den Fokus, nachdem sie in der Lockdown-Zeit nur wenig diskutiert wurden.



Konjunkturklima Herbst 2020


Stefan Severin
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Thomas Becker
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